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Würzburger katholisches Sonntagsblatt Nr. 47 vom 25. November 2007 Begegnung mit Leid und TodSt. Josefs-Stift Eisingen bringt "Mensch Jesus" auf die Bühne Eisingen - Auf der Bühne zwei mannshohe Tore - sonst nichts. Das neue Stück der Theaterwerkstatt Eisingen braucht viel Spielraum, denn es ist das Thema, das die abendländische Geschichte seit 2000 Jahren bewegt - Leben und Wirken des Jesus von Nazareth, der vom Tod auferstanden ist. „Mensch Jesus - ein Passionsspiel mit Masken“ lauter der Titel der 14. großen Produktion in Eisingen. Die Premiere und die ersten Aufführungen wurden bewusst zum Abschluss des Kirchenjahres terminiert, Am Christkönigsonntag endet die Spielzeit 2007, am 16. Februar 2008 mit Beginn der Fastenzeit wird das Passionsspiel wieder aufgenommen. Zwölf Darstellerinnen und Darsteller übernehmen 17 Rollen und den Chorus. Wie in vielen vorausgegangenen Stücken ist Mensch Jesus eine echte Gemeinschaftsarbeit. Viktor Reinhold und Karlheinz Halbig-Kolb entwickelten auch diese Inszenierung aus dem Ensemble heraus. Grundlage ist das Matthäus-Evangelium, doch die Inszenierung kommt fast ohne Worte aus. „Das Wort Gottes ohne Worte umzusetzen, das hat uns herausgefordert“, meint Halbig-Kolb. Zwei Jahre dauerte die Entwicklungsphase des Stückes, von den ersten Gesprächen zum Bibeltext über den Bau der Masken bis hin zur Aufführung. Dabei gibt es die Idee, die Passion auf die Bühne zu bringen, schon länger, wie Karlheinz Halbig-Kolb sagt. Viele Stücke des bisherigen Repertoires haben mit dem Lebensweg des Menschen zu tun, mit den zentralen Fragen „wer bin ich, wohin gehe ich, woher komme ich“ zu tun. „Und die Passion auch deshalb“, fügt der Spielleiter hinzu, „ weil viele unserer Schauspielerinnen und Schauspieler Begegnung mit Leid und Tod in ihren Familien und Wohngruppen haben, aber auch aus ihrer religiösen Praxis heraus die Passion Christi kennen.“ Markenzeichen Masken In „Mensch Jesus“ stellen wiederum die Masken das unverwechselbare Kennzeichen der Inszenierung dar. Sie transportieren das menschliche Verhalten der biblischen Figuren: Verführung und Verrat wie bei Salome und Johannes, dem Täufer , Staunen vor der wundersamen Heilung des Lahmen, die Verspottung durch die aufgebrachte Volksmenge, Liebe und Barmherzigkeit bei der Grablegung. Jesus ist in der Eisinger Inszenierung kein einsamer Held, sein Begleiter ist ein Engel, als Zeichen für den Gottessohn und am Ende für die Auferstehung. 1981 von Viktor Reinhold und Karlheinz Halbig-Kolb gegründet, ist die Theaterwerkstatt Eisingen ein Begriff für faszinierende Bühnenarbeit. In Eisingen spielen Menschen mit einer geistigen Behinderung Theater. Die meisten leben und arbeiten im St.Josefs-Stift Eisingen, einer Einrichtung der Behindertenhilfe bei Würzburg. Internationale Auftritte des Theaterensembles in Frankreich, Belgien, der Schweiz, Österreich, Italien und Irland sind eine Bestätigung für die Arbeit der Gruppe. Entstanden sind auch verschiedene Fernsehdokumentationen über die Theaterwerkstatt. Eigens eine CD eingespielt Beim Spiel ohne Worte spielt natürlich die Musik eine besonders wichtige Rolle. Für „Mensch Jesus“ hat Armin Höfig Klezmer-Musik komponiert und sie mit dem Ensemble „Klez‘amore“ eingespielt. Eine CD ist bei der Theaterwerkstatt Eisingen erhältlich. Nach den Aufführungen im November 2007 gibt es 2008 weitere Aufführungen in der Fasten- und Osterzeit Mitte Februar bis Mitte März im Theater unterm Turm des St. Josefs-Stiftes Eisingen. Neben Gruppen aus den umliegenden Gemeinden oder der Diözese sind ausdrücklich auch Kommunion- und Konfirmandengruppen eingeladen sowie Schulklassen. Dabei geht es nicht nur um das Stück selbst, sondern um die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung. SvS .
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| © H.-J. Hummel |
| Hoher Priester |
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von Pat Christ |
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SCHWEINFURT 8. Nov. 2008, DekanatszentrumAusdrucksstarke GesichtslandschaftenPassionsspiel mit Masken von der Eisinger TheaterwerkstattWenn Pantomime stummes Mienen- und Gebärdenspiel ist, haben die zwölf Akteure der Theaterwerkstatt in Eisingen bei ihrem Auftritt in Schweinfurt noch eins drauf gesetzt, um das gewaltige Pensum vom Leben und Sterben des „Menschen Jesus“ als verdichtetes, hautnahes Erlebnis zum Publikum zu bringen. Es sind die selbst gefertigten Masken, mit denen die Spieler auftreten und Lebenshaltungen und Handlungen der ursprünglich biblischen Figuren in 20 Szenen charakterisieren und Verbindungen zum antiken Theater knüpfen. Die Maske schafft Distanz und berührt gleichzeitig, verbirgt und offenbart. Bei einem Workshop haben sich die Schauspieler mit den biblischen Figuren intensiv auseinandergesetzt und sich ihrer Rolle angenähert. Sie tragen beim Spiel auch die Masken, die sie selbst gefertigt haben. Statt geglätteter Gesichter erscheinen die Masken eher als ausdrucksstarke Gestaltung markanter Gesichtslandschaften mit enormen Abgründen, Schründen, die in Verbindung mit den präzisen Gesten der Akteure Lebendigkeit erhalten. Die Inszenierung des „Passionsspiels mit Masken“ von Viktor Reinhold und Karlheinz Halbig-Kolb setzt konsequent auf Verdichtung. Auf diese Weise lassen sich die knappen Szenen nach den Vorgaben des Matthäus-Evangeliums nahtlos aneinanderreihen. Markante, dramatische Höhepunkte sind der lautstarke Einzug in Jerusalem mit Hosianna singendem und Palmwedel schwingendem Volk. Im Gegensatz dazu der martialische Kreuzweg, der von den eindringlichen, an einen Totentanz gemahnenden Taktschlägen des römischen Offiziers unerbittlich begleitet wird. Dazwischen die Präsentation des Täufers Johannes, der den Verführungskünsten der Salome widersteht, der Verrat des Judas, die Salbung Jesu und das letzte Abendmahl, beides wird nach der Gartenszene vom Kreuzigungsgeraune des Volkes überdeckt. Die eigens zu dem Passionsspiel von Armin Höfig komponierte und von der Gruppe Klez'amore aufgeführte Klezmer-Musik setzt die Stimmungen und Bewegungsabläufe der Darsteller um. Sie kommentiert, unterstützt die Szenerie, stellt die Darstellung der Schauspieler in den Mittelpunkt und berührt durch ihre leidenschaftlichen Melodien die Zuschauer. In dem etwa anderthalb Stunden dauernden Passionsspiel haben die Akteure der Eisinger Theaterwerkstatt neue Zugänge zu dem zweitausendjährigen Menschheitsdrama der Bibel geschaffen. Davon überzeugte der lang anhaltende Applaus in den ausverkauften Stuhlreihen des Dekanatszentrums nachhaltig. (Claus P. Gras, Volkszeitung Schweinfurt am 13.11.08)
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