Ein ganz persönlicher Rückblick... ...von Karlheinz Halbig-Kolb und Viktor Reinhold, den Gründern und Leitern der Theaterwerkstatt Eisingen aus dem St. Josefs-Stift zu 25 Jahre Theaterwerkstatt Eisingen.Wenn wir uns an die vergangenen 25 Jahre der Theaterarbeit im St. Josefs-Stift Eisingen zurückbesinnen, so ist uns eines sofort klar: Ohne unsere Zusammenarbeit und Freundschaft wäre das alles nicht möglich gewesen. In einzigartiger Weise haben wir uns ergänzt, haben miteinander gerungen, haben uns gegenseitig inspiriert, gemeinsam Schwierigkeiten und Tiefpunkten getrotzt und uns immer weiterentwickelt. Dafür sind wir sehr dankbar. Dankbar sind wir aber auch für die vielen Weggefährtinnen und Weggefährten, die uns praktisch, ideell oder finanziell unterstützt haben. Und natürlich gebührt allen unseren Schauspielerinnen und Schauspielern ein großes Dankschön für ihr Spiel. Als wir im September 1981 unseren ersten Theaterkurs angeboten haben, hieß der einfach „Singen, Spielen, Verkleiden“. Nichts anderes wollten wir tun, und im Grunde ist es auch heute noch so. Wichtig sind uns die Schauspielerinnen und Schauspieler und ihre Ideen, deren Bilder und Einfälle und das Spiel. Der vielleicht wichtigste AugenblickSchon ziemlich bald hat sich bei allen die Lust eingestellt, nicht nur für sich selber im stillen Kämmerchen zu spielen, sondern auch vor Publikum. Nach Märchen und Komödien, bei denen wir mit einem Erzähler gearbeitet haben und die Situationskomik der Mitwirkenden im Vordergrund stand, haben wir mit dem Schwarzlichttheater „Die Blume des Glücks“ (1990) und dem Verzicht auf das gesprochene Wort einen grundsätzlich neuen Theateransatz für uns gefunden. Gemäß dem chinesischen Sprichwort, „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“, bringen wir Bilder auf die Bühne, nur mit Musik untermalt, die wiederum Bilder in den Köpfen der Zuschauer erzeugen. Geschichten in Bildern, die berühren. Und das ganz ohne Worte. Das war vielleicht der wichtigste Augenblick in unserer Theatergeschichte. Geschichten erzählenBilder entstehen zu lassen, eigene Geschichten zu erzählen braucht Zeit und Raum. Wir versuchen uns dem Tempo unserer Schauspieler anzupassen, zu warten, geduldig zu sein bis der richtige Ausdruck gefunden ist. Wenn genug Raum vorhanden ist, gibt es immer wieder Überraschungen, welche darstellerischen Fähigkeiten zu Tage treten. Wie viel Tiefe, mit oft begrenzten Mitteln und Einschränkungen, zustande kommt. Auch der Rhythmus in unserem Spiel ist ein ungewohnter, gegen den heutigen Trend, bei dem alles schnell mit einer Flut von Bildern und Worten einhergeht. Unser Rhythmus ist langsamer, einprägsamer, meditativer und überhaupt nicht oberflächlich. MaskenspielMit dem Stück „Die Bärin, eine Seelenwanderung mit Masken“ (1994) haben wir unsere Begeisterung für das Maskentheater entdeckt. Seitdem arbeiten wir immer wieder mit Masken, wobei uns der Fertigungsprozess der Masken genauso wichtig ist wie das Spiel selbst. Selbstverständlich werden alle Masken vom jeweiligen Ensemble gebaut. Man kann sich zwar hinter einer Maske verbergen, genauso gut kann die Maske auch Verborgenes offenbaren. Eine Faszination, die wir gerne für spannendes Theater nutzen. Theater ganz persönlichAuch wir verwirklichen uns in jedem Stück bei dem wir Regie führen, was wir natürlich auch von den Schauspielern hoffen, mit unserer Kreativität und mit unseren künstlerischen und gestalterischen Ambitionen. Es ist immer eine Herausforderung mit einfachen oder wenigen Mitteln eine Geschichte darzustellen, eine Botschaft zu vermitteln. Und das in einem klaren und verständlichen Spannungsbogen bzw. einer Inszenierung. Und selbstverständlich sind in allen Szenen auf der Bühne die Geschichten der Darsteller mit unseren eigenen verwoben. Integrative TheaterarbeitWir haben uns nie dazu gedrängt gefühlt, integrativ auf der Bühne zu arbeiten. Unsere Aufführungen sind immer für Menschen mit Behinderung und für Menschen ohne Behinderung. Diese Begegnung im Publikum allein ist schon integrativ. Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass Menschen mit Behinderung nicht darauf angewiesen sind mit Nichtbehinderten, seien es professionelle Schauspieler oder Amateure, Theater zu spielen. Und dass Integrativ nicht automatisch eine Aufwertung in der Theaterarbeit bedeutet. Das gilt für Theater mit Behinderten, aber auch für Theater mit nicht behinderten Schauspielern. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt wie in unserer letzten Produktion „Liebe = ein seltsames Spiel“ (2004 u. 2006) mit dem Tanzensemble des Matthias-Grünewald-Gymnasiums, kann ein integratives. Projekt sehr spannend und erfolgreich sein, vor allem wenn beide Gruppen gleichberechtigt auf der Bühne stehen. Der erste ScheinwerferAm Anfang unserer Theaterarbeit haben wir uns immer Do. Abend für zwei Stunden zu den Proben getroffen. Irgendwann gabs dann mal (1985) den ersten Scheinwerfer und ein Budget von 500 DM im Jahr. Inzwischen können wir, dank vieler Spenden über unseren Trägerverein St. Josefs-Stift e.V., einen halben Tag pro Woche im Theater arbeiten und auch noch Lohnfortzahlungen für den Arbeitsausfall der Theaterleute in der WfbM bezahlen. Ebenso sind auf diesem Weg die Produktionskosten gesichert. Die Schauspielerinnen und Schauspieler arbeiten, inklusive sieben Tagen Dienstbefreiung, etwa 150 Jahresstunden im Theater, die als Arbeitszeit der WfbM bezahlt werden. Die Theaterwerkstatt trägt davon die Lohnkosten für 110 Jahresstunden aus den Erlösen der Aufführungen. Weitere 150 Jahresstunden arbeiten die Ensemblemitglieder in ihrer Freizeit am Theater. Also mit sehr viel Engagement! Das schönste ErlebnisSicher eines der beeindruckensten Erlebnisse unserer Theatergeschichte war 1993 im Karneval von Venedig der Besuch einer Vorstellung von Orffs Carmina Burana in Gran Theatro La Fenice mit dem damaligen Ensemble der Bärin – einer Seelenwanderung mit Masken. Dass wir 2002 noch einmal mit dem Maskentheater Labyrinth in Venedig spielen konnten und das Bayer. Fernsehen diese Reise auch noch dokumentiert hat, passt ganz gut zu dieser Erinnerung. Pleiten, Pech und PannenIm Großen und Ganzen sind wir (toi,toi,toi) von Pech und Pannen verschont geblieben. Einmal fiel eine Woche vor der Premiere der Hauptdarsteller aus, aber das Ensemble war wild entschlossen und durch Umstellungen war die Premiere gerettet. Oder bei einer Aufführung in der Schweiz fiel ein Schauspieler über die Bühnenkante. Er rappelte sich aber auf, kletterte wieder auf die Bühne und spielte trotz Prellungen weiter. Echten Pleiten haben wir (nochmals toi,toi,toi) bisher noch nicht erlebt. Wie geht’s weiterAm 16. Nov. 2007 hat die 14. Produktion der Theaterwerkstatt „Mensch Jesus, ein Passionsspiel mit Masken“ Premiere. In zweijähriger Arbeit ist gemeinsam mit vier Schauspielerinnen und sieben Schauspielern ein Maskentheater zur Passion Christi entstanden. Mit 17 Großmasken werden in 20 Szenen, beinahe ohne Worte und in verdichteter Form, Episoden vom Leben und Sterben Jesu erzählt, unterlegt mit der einfühlsamen Musik von Armin Höfig, der die Musik eigens für das Theaterstück komponiert hat. Und zum Schluss……zitieren wir einfach eine unserer Schauspielerinnen: “Mit dem Theater bin ich schon glücklich. Ich möchte nie, nie, nie mit dem Theater aufhören.“ (Carolin Schmidt) Und so ähnlich geht’s uns wohl auch. Viktor Reinhold und Karlheinz Halbig-Kolb
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