Es sind die selbst gefertigten Masken, mit denen die Spieler auftreten und Lebenshaltungen und Handlungen der ursprünglich biblischen Figuren in 20 Szenen charakterisieren und Verbindungen zum antiken Theater knüpfen. Die Maske schafft Distanz und berührt gleichzeitig, verbirgt und offenbart. Bei einem Workshop haben sich die Schauspieler mit den biblischen Figuren intensiv auseinandergesetzt und sich ihrer Rolle angenähert. Sie tragen beim Spiel auch die Masken, die sie selbst gefertigt haben. Statt geglätteter Gesichter erscheinen die Masken eher als ausdrucksstarke Gestaltung markanter Gesichtslandschaften mit enormen Abgründen, Schründen, die in Verbindung mit den präzisen Gesten der Akteure Lebendigkeit erhalten. Die Inszenierung des „Passionsspiels mit Masken“ von Viktor Reinhold und Karlheinz Halbig-Kolb setzt konsequent auf Verdichtung. Auf diese Weise lassen sich die knappen Szenen nach den Vorgaben des Matthäus-Evangeliums nahtlos aneinanderreihen. Markante, dramatische Höhepunkte sind der lautstarke Einzug in Jerusalem mit Hosianna singendem und Palmwedel schwingendem Volk. Im Gegensatz dazu der martialische Kreuzweg, der von den eindringlichen, an einen Totentanz gemahnenden Taktschlägen des römischen Offiziers unerbittlich begleitet wird. Dazwischen die Präsentation des Täufers Johannes, der den Verführungskünsten der Salome widersteht, der Verrat des Judas, die Salbung Jesu und das letzte Abendmahl, beides wird nach der Gartenszene vom Kreuzigungsgeraune des Volkes überdeckt. Die eigens zu dem Passionsspiel von Armin Höfig komponierte und von der Gruppe Klez'amore aufgeführte Klezmer-Musik setzt die Stimmungen und Bewegungsabläufe der Darsteller um. Sie kommentiert, unterstützt die Szenerie, stellt die Darstellung der Schauspieler in den Mittelpunkt und berührt durch ihre leidenschaftlichen Melodien die Zuschauer. In dem etwa anderthalb Stunden dauernden Passionsspiel haben die Akteure der Eisinger Theaterwerkstatt neue Zugänge zu dem zweitausendjährigen Menschheitsdrama der Bibel geschaffen. Davon überzeugte der lang anhaltende Applaus in den ausverkauften Stuhlreihen des Dekanatszentrums nachhaltig. (Volkszeitung Schweinfurt am 13.11.08) |