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Main-Post 23. Dezember 2005 zum integrativen Tanztheater-Projekt Liebe =???
Liebe ist ein seltsames Spiel
Ein ungewöhnliches Experiment auf der Bühne
 
Würzburg Liebe bringt immer wieder neue Verwicklungen. Zur Liebe gehören Gefühle, Eifersucht, Tränen, Lachen, Kampf und romantische Momente. Vor allem, wenn ein feuriger Don Giovanni auf der Bühne steht. Eigentlich nichts ungewöhnliches. Ungewöhnlich bei dieser Aufführung im neuen Lengfelder Theater „Augenblick“ sind nur die Akteure.
Schülerinnen der Tanztruppe des Matthias-Grünewald-Gymnasiums huschten im Theater „Augenblick“ als schwarze Seelen über die Bühne.

Die Schauspieltruppe gehört zur Theaterwerkstatt des St. Josefs-Stiftes Eisingen. Die behinderten Schauspieler haben viel Bühnenerfahrung, sie sind schon mehrfach im Ausland aufgetreten. Zuletzt sogar vor dem Pabst im Petersdom. „Liebe ist ein seltsames Spiel“ – diese Adaption der Mozart-Oper „Don Giovanni“ setzen sie äußerst einfühlsam um. Im Wechselspiel von Maskierung und Demaskierung zeigen sie die ganze Bandbreite amouröser Erscheinungen. Das Stück kennen sie gut, zwei Jahre dauerte die Vorbereitung. Zum 20. Mal haben sie es jetzt aufgeführt.
Doch diesmal ist die Aufführung anders. Schwarz gekleidete Tänzerinnen huschen auf die Bühne. Es sind die schwarzen Seelen, die Don Giovanni erscheinen und bedrängen. Im ersten Teil des Stückes mischen sie sich wenig ein, dann wird ihr Tanz schneller, sie werfen ihre Umhänge weg. Und plötzlich steht eine bunte und junge Tanzformation auf der Bühne, die ausdrucksvoll die Abgründe der verletzten Seelen umsetzt. Die sechs Schülerinnen gehören zur perfekt choreographierten Tanztruppe des Würzburger Matthias-Grünewald-Gymnasiums. Mit ihrer Lehrerin Christiana Wagner –Schneider haben sie das Stück mit den Eisinger Akteuren einstudiert.
Die Gruppe Klez`amore, die mit musikalischen und lyrischen Liebeserklärungen die erste Hälfte des Abends bestritten hatten, und die Akteure des zweiten Teils bekamen von den über hundert Zuschauern langen Applaus. Solche Aufführungen haben Seltenheitswert, denn „im Gegensatz zu vielen anderen integrativen Theaterstücken haben die nicht behinderten Akteure die behinderten Schauspieler nicht an die Wand gespielt“, betont der Eisinger Theatermacher Karlheinz Halbig-Kolb.
Den Proben und diesem bereits zweiten gemeinsamen Auftritt hatten die Schauspieler und Tänzerinnen mit viel Spannung entgegen gesehen. Doch für beide Seiten war es ein Experiment, das sich gelohnt hat. „Anfangs war es ein blödes Gefühl, da man sich nicht kannte“, so der 41jährige Frank aus Eisingen. Doch die anfängliche Reserviertheit wich auf beiden Seiten schnell einer Begeisterung. „Die Behinderten sind ganz tolle Menschen“, so die Tänzerin Lina.

Veröffentlicht: 23.12.2005 Ludger Heuer